Das aktuellste Werk von MacLaverty entdeckte ich auf der Frankfurter Buchmesse. Okay, entdecken ist hier das falsche Wort. Es sprang mir ins Auge, denn am Stand des H.C.Beck Verlags bedeckten viele Ausgaben eine komplette Wand des Messestandes. Der Text auf der Rückseite überzeugte mich, ebenso wie das melancholisch angehauchte Cover.
Auf 288 erhält der Leser tiefe Einblicke in das Leben des irischen, aber in Glasgow lebenden, Rentnerpaares Stella und Gerry. Er war erfolgreicher Architekt und ist jetzt Alkoholiker. Sie war Lehrerin, ist extrem katholisch und vermisst ihren erwachsenen Sohn sowie den Enkel, die in Kanada leben. Für ein paar Tage fahren Stell und Gerry nach Amsterdam, jede Menge Seelenbalast im Gepäck. Stella ist nach Amsterdam gereist mit der Absicht ihren Ehemann zu verlassen und mit über siebzig noch einmal neu anzufangen. Gerry macht sich währenddessen nur Sorgen, wie und wo er genug Nachschub für seine Sucht herbekommt.
Zwischendrin erhält der Leser Einblicke in die irische Vergangenheit von Gerry und Stella, geprägt durch einen Anschlag der IRA, bei dem Stella, die damals hochschwanger war, beinahe ums Leben gekommen wäre.
MacLaverty lässt sich gut lesen. Er schwadroniert nicht seitenweise, jedes Wort scheint gut überlegt zu sein. Manchmal irritierte mich die Sprunghaftigkeit zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Mir stand auch die Alkoholsucht von Gerry zu sehr im Mittelpunkt und der ausgeprägte Glaube von Stella war auch nicht unbedingt ein Pageturner. Vielleicht bin ich mit Anfang 40 noch zu jung, um die Essenz des Buches nachzuvollziehen. Meiner Mutter würde es in jedem Fall zusagen.
Ich finde auch den Preis für dieses schmale Buch (Hardcover 22,- Euro) überteuert. Da lohnt sich der Gang ins die Stadtbücherei. Es ist aber ein lohnenswertes Geschenk für die Generation 70plus.

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